Wissen · Glossar

GLOSSAR
INDUSTRIEREGALBAU.

Fachterminologie aus DGUV V108, DIN EN 15635 und der täglichen Montage-Praxis. Verständlich erklärt für Lager-Verantwortliche, Sicherheitsbeauftragte und Einkäufer.

Begriffe von A bis W.

30 Fachbegriffe, sortiert nach Stichwort. Jede Definition ist über einen Anker direkt verlinkbar — verwenden Sie https://loshaj-regalbau.de/wissen/glossar#anfahrschutz für die Tiefenverlinkung in Audits, Schulungsunterlagen oder Dokumentationen.

# Anfahrschutz
Fußschutz an Regalstützen zur Abwehr von Staplerstößen.
Stahlbügel oder Profil-Element, das die unteren 400 bis 600 mm der Stützen abdeckt. Wird mit Bodendübeln im Bestandsbeton verankert und vor die Stütze gesetzt, ohne Lastübertragung in den Rahmen. Nach DIN EN 15512 für gewerblich genutzte Regalanlagen verpflichtend; die Ausführung als Eckschutz, Reihen-Endschutz oder Durchgangs-Schutzbügel hängt von der Stellplatz-Geometrie und der Stapler-Anfahrrichtung ab.
# Auflage · Traversenauflage
Element zwischen Traverse und Lasteinheit zur Lastverteilung.
Quertraverse, Lochblech, Spanplatte oder Gitterrost, das auf den Traversen aufliegt und Lasten verteilt, deren Geometrie nicht direkt zwischen die Traversen passt. Pflicht bei Lagerung kleiner Paletten, Gitterboxen mit unterbrochenem Boden oder loser Ware. Die Tragkraft der Auflage muss zur Feldlast passen, sonst gilt die Lastenkennzeichnung nicht.
# Bodengruppe
Untere Stützen-Sektion mit Fußplatte und Anfahrschutz.
Mechanisch besonders beanspruchte Zone der Regalstütze vom Boden bis ca. 400 mm Höhe. Hier konzentrieren sich Anfahrschäden, Korrosion durch Reinigungsmittel und Setzungen der Fußplatten. Bei der Inspektion nach EN 15635 wird die Bodengruppe besonders genau begutachtet.
# DGUV V108
Vorschrift "Lagereinrichtungen und -geräte" der DGUV.
Berufsgenossenschaftliche Vorschrift, die den sicheren Betrieb von Lagereinrichtungen regelt. Verpflichtet den Arbeitgeber, ortsfeste Regalanlagen mindestens jährlich durch eine Sachkundige Person prüfen zu lassen. Die DGUV V108 ist die rechtliche Grundlage; die konkrete Durchführung beschreibt die DGUV-Regel 108-007 in Verbindung mit der DIN EN 15635.
# DGUV-Regel 108-007
Konkretisiert die Prüfpflicht nach DGUV V108.
Branchenregel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die Aufbau, Betrieb und Inspektion von Lagereinrichtungen detailliert beschreibt. Sie nennt Prüfintervalle, Sachkunde-Anforderungen und Dokumentationspflichten. Zusammen mit DIN EN 15635 bildet sie den geltenden Stand der Technik für die jährliche Regalprüfung in Deutschland.
# Diagonale
Schräges Verbindungselement zur Aussteifung des Stützenrahmens.
Schräg verlaufendes Profil zwischen zwei Stützen eines Rahmens, das den Rahmen gegen seitliche Verformung aussteift. Ohne Diagonalen würde der Stützenrahmen unter Last in der Vertikalebene ausknicken. Beschädigte oder fehlende Diagonalen sind ein häufiger Befund bei der DGUV-Prüfung und werden in der Regel als Gelb-Mangel klassifiziert.
# DIN EN 15512
Norm für die statische Konstruktion und Bemessung ortsfester Regale.
Europäische Norm, die die statische Berechnung verstellbarer Palettenregale aus Stahl regelt. Sie definiert Lastannahmen, Sicherheitsbeiwerte, Knicknachweise und Verbindungsprüfungen. Jede statische Lastenberechnung für ein Industrieregal in Deutschland wird auf Basis der EN 15512 erstellt; das Ergebnis ist der Belastungsnachweis, der mit der Anlage übergeben wird.
# DIN EN 15620
Norm für Toleranzen, Verformungen und Freiräume von Regalen.
Definiert die zulässigen Toleranzen bei Herstellung, Montage und Betrieb von Palettenregalen. Vorgegeben sind Maße für Stützen-Senkrechtigkeit, Traversen-Horizontalität und Freiräume zwischen Lasteinheit und Stütze. Die Montage-Genauigkeit nach EN 15620 ist eine Pflicht-Vorgabe bei der Übergabe einer neuen Anlage.
# DIN EN 15629
Norm für die Spezifikation von Lagerregalen.
Beschreibt, welche Informationen zwischen Hersteller, Lieferant und Betreiber bei der Spezifikation einer Regalanlage ausgetauscht werden müssen — Lastdaten, Anlagengeometrie, Umgebungsbedingungen, Einsatz-Szenarien. Sie ist die Grundlage für ein technisch belastbares Angebot und vermeidet Auslegungs-Fehler durch unklare Lasten- oder Maß-Annahmen.
# DIN EN 15635
Norm für Betrieb und Inspektion von Lagerregalen.
Europäische Norm, die den ordnungsgemäßen Betrieb ortsfester Regalanlagen regelt: tägliche und wöchentliche Sichtkontrolle durch beauftragte Mitarbeiter, jährliche Inspektion durch eine Sachkundige Person, Maßnahmen bei Schadensfällen, Verformungsgrenzen. Die EN 15635 ist die fachliche Grundlage der DGUV-Regalprüfung in Deutschland.
# Doppelregal
Regal mit zwei Stützenrahmen Rücken-an-Rücken.
Zwei parallel angeordnete Regalreihen, deren Stützen über Distanzhalter verbunden sind. Die Anordnung verdoppelt die Stellplatz-Dichte gegenüber einem Einzelregal und ist die Standard-Ausführung in der Logistik. Pflicht ist eine Durchschubsicherung am Übergang zwischen den beiden Reihen.
# Durchschubsicherung
Hinterer Anschlag in Doppelregalen.
Quertraverse oder Gitter-Element am hinteren Rand jedes Faches in einem Doppelregal. Verhindert, dass eine Palette beim Einlagern durch das Regal hindurch in den dahinterliegenden Gang geschoben wird. Pflicht nach EN 15635 bei jeder Doppelregal-Anlage; das Fehlen ist ein typischer Rot-Mangel.
# Einfahrregal · Drive-In
Stapler fährt mit der Palette in das Regal hinein.
Hochverdichtetes Regalsystem ohne durchgängige Längstraversen — der Stapler fährt mit der Palette in das Regal hinein und setzt sie auf seitlichen Auflagewinkeln ab. Maximiert die Stellplatz-Dichte, schränkt aber das First-In-First-Out-Prinzip ein (LiFo statt FiFo) und erfordert besondere Vorsicht bei der Eigenprüfung der Bodenanker und Auflagewinkel.
# Eignungsprüfung
Vor Wiederinbetriebnahme nach Umbau oder Erweiterung.
Außerordentliche Prüfung nach DGUV V108, die vor der Wiederinbetriebnahme einer umgebauten, erweiterten oder mit neuer Lastannahme betriebenen Regalanlage erforderlich ist. Ergänzt die jährliche Regelprüfung und stellt sicher, dass die geänderte Konstruktion den Lastannahmen nach DIN EN 15512 entspricht.
# Fachboden
Horizontale Lagerfläche zwischen zwei Stützen.
Stahlblech, Holzplatte oder Gitterrost, der auf Auflagewinkeln zwischen zwei Stützen eingelegt oder verschraubt wird. Typische Belastung 150 bis 350 kg pro Boden. Wird in Kleinteile-Lagern, Werkstattbereichen und Archiven eingesetzt; nicht für Paletten-Lasten geeignet.
# Fachbodenregal
Regal mit Etagenböden, keine Palettenaufnahme.
Steckregal mit Fachböden in geringen Abständen, ausgelegt für Kleinteile, Kartons und manuell handhabbare Lasten. Gegenüber dem Palettenregal niedrigere Feldlasten (150 bis 350 kg pro Boden), dafür mehr Lagerebenen. Häufig mehrgeschossig auf Lagerbühnen erweitert.
# Fußplatte
Verbindung der Stütze zum Boden, mit Dübel verankert.
Stahlplatte am unteren Ende der Regalstütze mit Bohrungen für Schwerlast- oder Verbundanker. Die Fußplatte überträgt die vertikale Stützenlast in den Boden und verhindert das Kippen der Anlage. Beschädigte, korrodierte oder lockere Fußplatten gehören zu den kritischen Befunden bei der DGUV-Prüfung.
# Hochregal
Regal mit Anlagenhöhe über 7 Meter.
Regalanlage ab 7 m Höhe, oft in Schmalganggassen für Schubmast- oder Schmalganggabelstapler. Über 12 m Anlagenhöhe spricht man von Hochregallager, ab ca. 20 m von Silbau in selbsttragender Bauweise. Lot-Toleranz und Verankerung werden mit zunehmender Höhe sicherheitskritischer.
# Kragarmregal
Regal für Langgut mit seitlicher Auskragung.
Regal mit horizontalen Auskragungen (Kragarmen) an einem oder beiden Seiten der Stützen, ausgelegt für Rohre, Profile, Bretterstapel, Bleche und andere Langgut-Lasten. Tragkraft typisch bis 2.000 kg pro Kragarm. Aufstellung im Außenbereich verzinkt, in Schwerlast-Hallen lackiert oder pulverbeschichtet.
# Lastenkennzeichnung
Pflicht-Aushang mit maximaler Belastung pro Feld und Ebene.
Schild oder Aushang an gut sichtbarer Stelle der Regalanlage, das die maximale Belastung pro Feld und pro Ebene angibt. Pflicht nach EN 15635 §9.7. Bei Anlagen mit unterschiedlichen Feldern muss jedes Feld einzeln gekennzeichnet sein; bei Verlust oder Fehlen wird der Mangel mindestens als Gelb klassifiziert.
# Mängelklassifikation Rot/Gelb/Grün
Dreistufiges Ampelsystem zur Bewertung von Schäden.
Bewertungs-System nach DIN EN 15635. Grün: keine Maßnahme, weiterer Betrieb zulässig. Gelb: Reparatur innerhalb 4 Wochen erforderlich, Betrieb des Feldes bis dahin weiter möglich. Rot: sofortige Entlastung und Sperrung des Feldes; Wiederbelegung erst nach dokumentierter Reparatur. Jeder Befund wird vom Prüfer fotografisch erfasst und im Prüfprotokoll mit Position im Layout dokumentiert.
# Palettenregal
Standardregal für Europoolpaletten (1200×800 mm).
Häufigster Regaltyp in der Industrie: Stützenrahmen mit eingehängten Traversen, ausgelegt für Europoolpaletten oder Industriepaletten. Typische Feldlasten 1.500 bis 4.500 kg pro Traversenpaar bei 2 bis 4 Paletten pro Ebene. Hersteller-Schwerpunkte am deutschen Markt: Bito, SSI Schäfer, Stow, META, Mecalux, Dexion, Jungheinrich.
# Sachkundige Person
Nachgewiesene Qualifikation zur jährlichen Regalprüfung.
Person mit fachlicher Qualifikation nach DGUV V108 und nachgewiesener Schulung, die die jährliche Inspektion ortsfester Regalanlagen nach EN 15635 durchführen darf. Die Sachkunde wird über regelmäßige Fortbildungen und dokumentierte Praxiserfahrung erworben; der Nachweis ist Teil jedes Prüfprotokolls.
# Sicherheitsclip · Sicherheitsbolzen
Verhindert das ungewollte Aushängen einer Traverse.
Kleines Stahl- oder Federelement, das die Traversen-Einhängeklaue am Stützenprofil sichert. Ohne Sicherheitsclip kann eine Traverse durch ein anhebendes Hubgerät versehentlich aus der Stütze gehoben werden — mit der gesamten Last. Fehlende oder verlorene Sicherheitsclips sind ein häufiger Befund bei der DGUV-Prüfung und werden meist als Gelb-Mangel klassifiziert.
# Stütze
Senkrechter Tragträger, meist gelocht für Traversen.
Vertikales Tragprofil eines Regalrahmens, meist als C-, Omega- oder kastenförmiges Stahlprofil mit umlaufender Lochreihe für die Traversen-Einhängung. Die Stütze überträgt die vertikale Last vom Traversen-Auflagepunkt in die Fußplatte und den Boden. Verformungen der Stütze unter Anfahrschäden sind das häufigste Schadensbild bei der Inspektion.
# Traverse
Waagerechter Lastträger zwischen zwei Stützen.
Horizontales Profil, das zwischen zwei Stützen eingehängt wird und die Paletten oder Auflagen trägt. Die Traversen-Tragkraft bestimmt die zulässige Feldlast. Übliche Längen 1.800 bis 3.600 mm, übliche Feldlasten 1.500 bis 4.500 kg pro Traversenpaar. Beschädigte oder verformte Traversen werden ausgewechselt, nicht gerichtet.
# Verbundanker · Schwerlastanker
Bodenanker mit Klebemörtel für höchste Auszugslasten.
Bodenbefestigung aus Gewindestange und chemischem Verbundmörtel, der die Stange im gebohrten Loch verklebt. Erreicht höhere Auszugswerte als ein klassischer Spreizdübel und ist Standard bei Hochregalanlagen oder hoch belasteten Schwerlast-Regalen. Drehmoment-Anzug nach Hersteller-Vorgabe pflichtig zu dokumentieren.
# Verformungstoleranz
Maximale zulässige Auslenkung nach EN 15635.
Maximaler Wert für die vertikale Auslenkung eines Stützenrahmens unter Last: nach EN 15635 ein 1/350 der Höhe als Grenzwert. Beispiel: bei 6 m Stützenhöhe sind das 17 mm. Wird der Grenzwert überschritten, ist eine außerordentliche Prüfung und Schadensbeurteilung erforderlich — bei Überschreitung um mehr als das Doppelte gilt der Mangel als Rot.
# Vertikalauslenkung
Schiefstand des Stützenrahmens, oft Folge eines Anfahrschadens.
Abweichung der Stütze von der Senkrechten, gemessen mit Laser-Lot oder Theodolit. Häufige Ursachen sind Anfahrschäden im unteren Stützenbereich oder Setzungen der Fußplatten. Wird bei jeder DGUV-Prüfung kontrolliert und mit der Verformungstoleranz nach EN 15635 abgeglichen.
# Wartungsvereinbarung
Jährlicher Service-Vertrag mit fester DGUV-Prüfung.
Vertragliche Vereinbarung zwischen Betreiber und Regalbau-Dienstleister über die jährliche Sachkundigen-Prüfung nach DGUV V108, optional ergänzt um Reparatur-Bereitschaft und Anfahrschutz-Nachrüstung im Rahmen festgelegter Reaktionszeiten. Vorteil: keine versäumten Prüftermine, planbare Kosten, dokumentierter Stand der Anlage über mehrere Jahre.

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